Der letzte Mann

Mittwoch, 17. Oktober 2018, 19.30 Uhr:

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Carl Mayer Kamera: Karl Freund
Musik:  Gerhard Gruber live am Klavier
Darsteller:  Emil Jannings, Maly Delschaft, Max W. Hiller, Emilie Kurz, Hans Unterkircher, Olaf Storm, Hermann Vallentin

D 1924, Stummfilm, 81 Min.

Ein alternder Hotelportier (Emil Jannings) verrichtet seinen Dienst an der Tür des „Hotel Atlantic“ in Berlin. In seiner prächtigen Uniform, mit stattlichem Schnurrbart und jovialem Lächeln begrüßt er dort die Gäste. Als er eines Tages einen Schwächeanfall erleidet, wird er vom Hoteldirektor mit Verweis auf sein hohes Alter in die Herrentoilette versetzt. Ein Jüngerer nimmt seinen Platz ein. Der Portier verkraftet diese Demütigung nicht und flüchtet sich fortan in ein Doppelleben: Tagsüber verrichtet er seinen Dienst in der Hoteltoilette. Nach Feierabend aber legt er heimlich seine geliebte Uniform an um seiner Familie und seinen Nachbarn vorzuspielen, es sei alles wie früher. Doch der Schwindel fliegt bald auf…..

Gemäß dem geflügelten Wort „Kleider machen Leute“ erzählt  F.W. Murnau, einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure der Stummfilmära, („Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“) hochemotional von den menschlichen Werten Stolz, Würde, Ansehen und deren Verlust, und schließt seinen Kreis mit einer Wendung, die das anfänglich eingeblendete Zitat („Heute bist du der Erste, geachtet von Allen, ein Minister, ein General, vielleicht sogar ein Fürst – Weißt Du, was Du morgen bist ?!“) aufnimmt.
Murnau katapultierte sich mit „Der letzte Mann“ in den Olymp der wegweisenden Stummfilme. Zum einen war es die damals recht neue Technik der „entfesselten Kamera“. Karl Freund schafft mit seinen Kamerafahrten und Ich-Perspektiven dynamische Bilder von geradezu revolutionärer Ästhetik. Er visualisiert durch die Verbindung von Traumsequenzen, Überblendungen und Spezialeffekten das Seelenleben des Protagonisten. Eine so starke Subjektivierung des Kamerablicks hatte es bis dato im deutschen Stummfilm noch nicht gegeben.
Weiters waren es die nicht vorhandenen Zwischentitel. Als tonloser Film kommt der Film fast gänzlich ohne Texteinblendungen aus, was sehr untypisch für den Stummfilm ist und Murnau automatisch zum Meister der Bildkomposition macht, da er sich in einer visuellen Sprache ausdrückt, die jeder versteht.

Und schließlich bedient sich der Film einer einfachen Geschichte, erzielt aber eine dafür sehr intensive Wirkung, vor allem dank der großartigen Schauspieler, angeführt von Emil Jannings. Der deutsche Schauspieler erhielt übrigens 1929 den ersten Oscar überhaupt (für „Der Weg allen Fleisches“ und „Sein letzter Befehl“).
Gerhard Gruber wird den Film live am Klavier begleiten.
 

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