Nanook of the North

Mittwoch, 14. Oktober 2020, 19.30 Uhr:

Deutscher Tite: Nanuk der Eskimo
Regie: Robert J. Flaherty
Kamera
: Stefan Weber
Musik: Gerhard Gruber live am Klavier

USA 1922, 79 Min.

Nanook steht im Duell mit dem ewigen Eis. Mit seiner Familie lebt er in einer unwirtlichen, dunklen und kargen Eislandschaft weitab von der Zivilisation. Er ist der erfolgreichste Jäger seines Stammes und geht das ganze Jahr über auf die Jagd. Nur einmal im Sommer, wenn der Schnee schmilzt, hat er frei. Dann reist die Familie im Kajak zur Handelsstation, um die Jagdbeute gegen Messer und Werkzeuge einzutauschen. Schon bald aber geht es zurück in Schnee, Eis und Kälte.

Robert Flaherty (1884 – 1951) - Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor, Cutter und Produzent in einer Person -  erzeugt dramatische Spannungsbögen durch raffinierte und effektvoll inszenierte Parallelmontagen und ungewöhnlich pointierte Zwischentitel („Suspense begins“). Er operiert an der Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Nanook ist ein Filmstar, ein Held, der sich nicht von seinen Vorbildern des Hollywood-Kinos unterscheidet. Seine Abenteuer sind es, die der Zuschauer begierig verfolgt und erlebt.
Flaherty scheut sich nicht, nachgestellte Bilder als authentische auszugeben und den nicht-fiktionalen Stoff zu dramatisieren – sicherlich einer der Gründe, warum der Film international sehr erfolgreich in den Kinos lief und heute als erster langer Dokumentarfilm der Filmgeschichte gilt. Die Bilder haben ein Eigenleben: In den langen Einstellungen des Films hat der Zuschauer genügend Zeit, sich den zahlreichen aufscheinenden Details zu widmen. Da Flaherty mehrere Monate unter den Inuit verbrachte, fließen seine Erfahrungen und Beobachtungen fast beiläufig in die Bilder ein. Er führte die fertigen Aufnahmen nach jedem Dreh den Inuit vor und musterte nicht gelungene Einstellungen aus.

Flahertys ethnographische Filme - in der Folge drehte er noch in der Südsee „Moana“ (1926) und an der irischen Westküste „Man of Aran“ (1934) - sind romantisierende Filme. Die „fiktiven“ Inuit seiner Filme sind naiver, fröhlicher und beim Jagen geschickter als die realen. Die traditionelle Kleidung, die im Film zu sehen ist, trugen die Eskimos in Wirklichkeit schon lange nicht mehr. Auch jagten sie mittlerweile mit Gewehren und nicht mit Harpunen, wie der Film behauptet. Und technikfeindlich waren die Inuits schon gar nicht. Ganz im Gegenteil, sie sind es, die Flahertys Kamera reparieren und sein Filmmaterial entwickeln.

Fotos © absolut medien
 

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