In ihren Augen

Regie: Juan José CAMPANELLA
Drehbuch: Eduardo SACHERI u. Juan José CAMPANELLA
Kamera: Félix MONTI
Mit: Ricardo DARÍN, Soledad VILLAMIL, Guillermo FRANCELLA, Pablo RAGO, Javier GODINO u.v.a


ARG 2009, ca. 130 Min., OmU

Mittwoch, 14. Dez. 2011

"Der 21. Juni 1974 war der letzte Tag, an dem Ricardo Morales mit Liana Colotto frühstückte. Den Rest seines Lebens würde er sich an jedes Detail erinnern. Er sollte sich für immer an die frische Johannisbeermarmelade erinnern, die er nie wieder essen würde, an das Blütenmuster auf ihrem Nachthemd und vor allem an ihr Lächeln. Ihr Lächeln am frühen Morgen, dass mit einem Sonnenschein verschmolz, das auf ihre linke Wange fiel."

Kurz darauf ist die junge Frau tot, vergewaltigt, ermordet.
Zwei Abteilungen bei der Polizei schieben den Fall einander zu, bis übellaunig und abgeklärt der Kriminalbeamte Benjamín Espósito (Ricardo Darín) zum Tatort geht. Was er dort aber sieht, wird ihn verändern. Er wird sich in den Fall verbeißen, und ein Vierteljahrhundert wird er ihn nicht loslassen.

Der Film setzt ein, als der inzwischen pensionierte Benjamín noch einmal sein altes Büro aufsucht, wo er Irene (Soledad Villamil) wiedertrifft. Damals kam sie nach einer Ausbildung in Amerika als Richterin und Chefin in Benjamíns Abteilung, jetzt will er von ihr die Akten des Mordfalls um darüber einen Roman zu schreiben.
Wäre es nicht besser, die Sache ruhen zu lassen? Aber geht es wirklich nur um den Mord, die Verfolgung alter Spuren, oder nicht auch darum, damals unterdrückte Gefühle endlich ans Tageslicht zu holen und sich zu ihnen zu bekennen?

„El secreto de sus ojos“, 2010 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet, ist eine faszinierende Mischung aus Romanze und Thriller, in der Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Wirklichkeit ineinander fließen. Der argentinische Regisseur Juan José Campanella bohrt dabei in der Vergangenheit seiner Heimat. Die finstere Geschichte des Gerichtspalastes in Buenos Aires, in dem die Militärdiktatur einst heimlich ihren Anfang nahm, ist noch immer kaum erhellt. "Im argentinischen Kino geht es ständig um die Diktatur, aber nie darum, wie sie entstand." (Campanella). Gleichzeitig überrascht der Film als originelle und humorvolle Kinoreflexion.