Auf dem Weg – 1300 km zu mir

Mittwoch, 20. März 2024, 19.30 Uhr:

OT: Sur Les Chemins Noirs
Regie: Denis Imbert
Buch
: Diastème, Denis Imbert
Kamera: Magali Silvestre de Sacy

Musik: Wouter Dewit
Darsteller
: Jean Dujardin, Izia Higelin, Joséphine Japy

FR 2023, OmU, 93 Min.

Wenn Schriftsteller eine Krise durchmachen, begeben sie sich auf eine Reise. Goethe z.B. brach nach Italien auf, als er sich künstlerisch ausgebrannt fühlte. Der Franzose Sylvain Tesson („Der Schneeleopard“) hingegen wählte das eigene Land als Ort der Genesung. Sein Erlebnisbericht „Sur les chemins noirs“ dient als Grundlage für den im Original gleichnamigen Film von Denis Imbert.

Als der erfolgreiche Reiseschriftsteller und Lebemann Pierre Girard (Jean Dujardin, „The Artist“) nach einem schweren Sturz aus dem Koma erwacht, beschließt er einen Neuanfang. Entgegen dem Rat seiner Ärzte und seiner Familie will er Frankreich auf weitgehend verborgenen Pfaden zu Fuß durchqueren: 1300 Kilometer vom Nationalpark Mercantour in der südlichen Provence bis zur Halbinsel Cotentin im Norden der Normandie. Auf dem langen Weg macht er Zufallsbekanntschaften, wandert einen Teil des Weges mit seinem besten Freund Arnaud (Jonathan Zaccaï) oder seiner jüngeren Schwester Céline (Izïa Higelin).

Reizvolle totale Einstellungen (Kamera Magali Silvestre de Sacy) führen die erhabene Größe der abwechslungsreichen Landschaft Frankreichs, aber auch Leere und Kleinheit des Menschen vor Augen. „Die verborgenen Wege zu nehmen, nach Lichtungen zu suchen hinter Brombeerhecken war die einzige Möglichkeit, der Maschinerie der Stadt und der Gefangenschaft toter Bildschirme zu entkommen“, schreibt Pierre in sein Notizheft, das ihn begleitet. Seine Betrachtungen zur Natur und zur Rolle des Menschen in ihr sind dabei ebenso kritisch wie der Blick auf die eigene Persönlichkeit, die von Schritt zu Schritt immer mehr an Kraft zu gewinnen scheint. Seine Wanderschaft ist Heilung und Labsal zugleich. Indem er sich bewegt und bewusst wahrnimmt, was er fast verloren hätte, findet er zu sich. Vielleicht sogar zu einer besseren Version seiner selbst.

Fotos © Filmladen
 

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