Herr Bachmann und seine Klasse

Mittwoch, 24. Novenber 2021, 18:00 Uhr:

Regie: Maria Speth
Drehbuch
: Maria Speth, Reinhold Vorschneider
Kamera: Timm Kröger

DE 2021, Dokumentarfilm, 217 Min.

Achtung, frühere Beginnzeit, der Film wird aufgrund seiner Länge mit einer Pause gezeigt.

Herr Bachmann unterrichtet an der Georg-Büchner-Gesamtschule in Stadtallendorf, einer Industriestadt im Norden von Hessen, deren Einwanderungsgeschichte bis in die 1930er Jahre zurückreicht.  Seine Klasse – Schüler*innen aus zwölf Nationen im Alter zwischen 12 und 14 – spiegelt die deutsche Gegenwartsgesellschaft. Jaime ist in Deutschland geboren, Steffi aus Bulgarien hingegen lernt erst seit ein paar Monaten Deutsch.

Mit Strickhaube , Kapuzenpulli und AC/DC-Shirt fällt Dieter Bachmann schon kleidungstechnisch auf. Der ehemalige Bildhauer und Musiker fand erst im zweiten Bildungsweg, mit Anfang 40, den Weg ins Klassenzimmer. Reiner Wissensvermittler wollte er aber nie sein. Zu sehr lag ihm die eigene Schullaufbahn noch im Magen. Vielmehr setzt er auf Reden und Zuhören, Klasse als Vertrauensraum.

Maria Speth schafft in ihrem wunderbaren Dokumentarfilm einen filmischen Vertrauensraum. Mit empathischer Zurückhaltung beobachtet sie in langen Einstellungen  die Höhen und Tiefen eines Schuljahres, lässt Gespräche und Beziehungen in 217 Minuten heranreifen. Am Ende des Semesters werden sich die Wege der Jugendlichen trennen, die Noten über die weitere Schullaufbahn entscheiden.  Eine Entscheidung, die im Laufe des Films stets mitschwingt. Unkonventionell, bleibt Dieter Bachmann doch stets eine Autorität, die Entfaltungsmöglichkeiten aufzeigt. Auch in den Konflikten und Widersprüchen der Klassengemeinschaft, wenn es um Geschlechterrollen, Homosexualität, Heimat und Religion geht. Stille Mädchen werden gestärkt, einfühlsame Burschen gelobt. Im Klassenraum gehören Instrumente fix zur Ausstattung. Musizieren und Singen stiftet Gemeinschaft.

„Speths Langzeitbeobachtung sieht sich, ihrer Dauer zum Trotz, ausgesprochen kurzweilig. Sie dokumentiert nicht nur einen gelingenden Gegenentwurf zur Bildungsmisere, sie zeigt, welch komplexe Arbeit Erziehung ist und wie schön es sein kann, sich ihr zu widmen.“ (Alexandra Seitz) „Herr Bachmann und seine Klasse“, bereits 2017 gedreht, macht mit Blick auf die pandemiebedingten Schulschließungen deutlich, wie wichtig der Klassenraum als soziale Wirkstätte ist.

Fotos © Filmgarten