Der Mann mit der Kamera

Mittwoch, 12. Oktober 2022, 19.30 Uhr:

Regie: Dziga Vertov
Drehbuch
: Dziga Vertov
Kamera: Michail Kaufman
Musik: Gerhard Gruber live am Klavier
Dokumentarfilm


SU 1929, Stummfilm mit Live-Klavierbegleitung, 68 Min.

„Der Mann mit der Kamera“ ist ein sowjet-ukrainischer Dokumentarfilm von Dziga Vertov (eigentlich David Abelevich Kaufman) aus dem Jahr 1929, in dem der Tagesablauf einer großen sowjetischen Stadt, montiert aus Moskau, Kiew und Odessa, dokumentiert wird. Neben vielen experimentellen Kurzfilmen gehört er zu den Hauptwerken Vertovs und ist bis heute eines der wichtigsten Dokumente der Filmgeschichte über Machart und Wirkung von Filmen.

Unter dem Deckmantel einer Studie über die moderne Stadt versammelt „Der Mann mit der Kamera“ eine ganze Palette filmischer Ausdrucksformen, von jump-cuts bis hin zu Überblendungen, welche Vertov zu einer wahren Symphonie auf die moderne Welt und ihre Menschen vereint
Die Kamera erscheint als ständiger Begleiter im Alltag, bisweilen sogar als dessen maßgeblicher Mitgestalter. Vertov konstruiert und zerlegt seine Bilder immer wieder, zeigt den Kameramann, der auf der anderen Seite, im anderen Wagen oder auf der anderen Straßenseite filmt, wobei die Perspektive immer wieder wechselt. Eine Gruppe von Menschen in einem Auto wird durch die Montage verlangsamt, dann wieder beschleunigt, nur um dann wieder zurückgespult zu werden. Vor allem das Konzept von Zeit, insbesondere die Idee von Gleichzeitigkeit, wird als ein Instrument des Filmes verstanden.

In der Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs der 1920er Jahre waren sich die russischen Filmemacher ihrer Bilder schaffenden Kraft bewusst. Sie nutzten das Medium Film, um die sozialistische Gesellschaftskonstruktion in Szene zu setzen, und erachteten dies gar als eigentliche Intention von Film und Kino. So zeugen Dziga Vertows Schriften zum Film durchwegs von dieser Absicht einer sozialistischen Funktionalität des Kinos. Durch seine Arbeit an teils propagandistischen Werken im Dienste des politischen Systems der Sowjetunion formulierte Vertov seine Theorie des „Kino-Auges“, die das Auge der Kamera als eine Erweiterung des menschlichen Auges betrachtet.
 

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